internistische praxis

Jahr: 2016 - Band: 56 - Heft: 3 - Startseite: 483

Behandlungsstrategie bei Lymphomen im höheren Alter

Autoren: K. Hohloch, F. Zettl

Zusammenfassung

Lymphome treten gehäuft im höheren Lebensalter auf, der Erkrankungsgipfel liegt bei 64–75 Jahren. Lymphome stellen eine sehr heterogene Gruppe von Erkrankungen dar, die sowohl aus B- wie auch aus T-Zellen hervorgehen können. Die B-Zell-Lymphome sind mit 85 % die am häufigsten auftretenden Non-Hodgkin-Lymphome, die T-Zell-Lymphome machen nur einen kleinen Teil aus (15 %). Die B-Zell-Lymphome zählen damit zu den 6 häufigsten Tumoren in der Welt und den am häufigsten vorkommenden hämatologischen Tumoren. Lymphome werden in »indolente« bzw. »niedrigmaligne« und »aggressive« bzw. »hochmaligne« Lymphome in Abhängigkeit von ihrem klinischen Verhalten und morphologischen Charakteristika eingeteilt. Klinisch führend ist oft die Lymphknotenschwellung, zum Teil sind die ersten Symptome oft unspezifisch mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Inappetenz oder es tritt eine klassische B-Symptomatik auf (Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß). Aufgrund der Heterogenität der Lymphome gibt es keinen einheitlichen Therapiestandard. Die Therapie richtet sich nach der Histologie, dem Stadium, dem Allgemeinzustand und dem Alter des Patienten und den Prognosefaktoren. Häufig werden unterschiedliche Therapieprinzipien kombiniert um ein optimales Ansprechen zu erreichen (z. B. Chemotherapie und Antikörper- oder Strahlentherapie). Grundsätzlich muss in der Therapie zwischen aggressiven und indolenten Lymphomen unterschieden werden. Die B-CLL nimmt eine Sonderstellung ein, da hier bereits mehrere Antikörper und Kinaseinhibitoren für die Therapie zur Verfügung stehen. Die Auswahl der Behandlungsart ist daher vom Nebenwirkungsspektrum der einzelnen Substanzen und dem Allgemeinzustand abhängig. Bei älteren Patienten mit aggressivem Lymphom ist das Therapieziel grundsätzlich kurativ während indolente Lymphome nur bei Symptomen therapiert werden. Gleichzeitig müssen Komorbiditäten und soziale Faktoren sowie Einschränkungen im täglichen Leben in diesem Patientenkollektiv bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden. Eine Entscheidungshilfe können sogenannte geriatrische Assessments liefern, die Entscheidung liegt jedoch beim behandelnden Arzt und muss individuell für und mit dem jeweiligen Patienten getroffen werden.