internistische praxis

Jahr: 2016 - Band: 56 - Heft: 4 - Startseite: 765

Unverzichtbare Arzneimittel in der allgemein ärztlichen Praxis

Autoren: P. Kokott

Einleitung

Im allgemeinärztlichen Arbeitsalltag haben Depressionen, Angststörungen, Demenzen und das Delir einen herausragenden Stellenwert. Erkrankungen mit Veränderungen von Stimmung (Affektivität) und allgemeinem Aktivitätsniveau (Antrieb), entweder im Sinne eines depressiven Syndroms oder eines manischen Syndroms, werden als affektive Störungen zusammengefasst. Chronisch kranke Patienten haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer depressiven Störung. Prävalenzen für depressive Störungen bei muskuloskelettalen Erkrankungen, Krebs, Diabetes oder Herzerkrankungen lagen bei 30 % und mehr. Komorbidität mit anderen psychischen Erkrankungen stellt darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf dar. Besonders häufig besteht eine Komorbidität mit Angst- und Panikerkrankungen. Angst ist ein belastender Gefühlszustand, der einerseits eine positive Warnfunktion vor Gefahren darstellt, andererseits, da Angst vielfach unbegründet ist, zu einer schweren psychischen Erkrankung führen kann. Als demenzielle Syndrome (Demenzen) werden Krankheitsbilder bezeichnet, die durch eine meist erst im höheren Lebensalter, teilweise aber auch früher, auftretende qualitative und quantitative Abnahme der Hirnleistung sowie Beeinträchtigung des Sozialverhaltens charakterisiert sind und bei denen im fortgeschrittenen Zustand eine selbständige Lebensführung nicht mehr möglich ist. Das delirante Syndrom ist durch eine oft fluktuierende Bewusstseinstrübung und Desorientiertheit, psychomotorische Unruhe, ängstliche Erregung, Neigung zu illusionärer Verkennung der Umgebung und gelegentlich auch halluzinatorische Trugwahrnehmungen gekennzeichnet. Wir konzentrieren uns im Folgenden auf die medikamentöse Behandlung mittels Psychopharmaka dieser Krankheitsentitäten.