internistische praxis

Jahr: 2016 - Band: 57 - Heft: 1 - Startseite: 95

Depressiv-ängstliches Syndrom bei Testosteronmangel infolge eines Klinefelter-Syndroms

Autoren: H. J. Koch

Zusammenfassung

Ein 40-jähriger Patient stellte sich in der psychiatrischen Sprechstunde wegen eines ängstlich-depressiven Syndroms bei multiplen psychosozialen Belastungen vor. Wegen anamnestischer Angaben (Entwicklungsverzögerung) und somatischen Auffälligkeiten (reduzierter Haarwuchs und Gynäkomastie) wurde das Routinelabor nach Aufklärung durch einen Hormonstatus ergänzt. Dabei fielen sehr niedrige Testosteronwerte auf und der Patient wurde endokrinologisch und humangentisch vorgestellt, wobei sich der Verdacht auf eine genetische Störung (Klinefelter Syndrom) bestätigte. Die psychiatrische Symptomatik sprach gut auf Sertralin in Kombination mit Opipramol an und er wurde endokrinologisch angebunden. Die Kasuistik unterstreicht die Bedeutung der erweiterten psychiatrischen Labordiagnostik und einer interdisziplinären Zusammenarbeit bei Verdacht auf hormonelle oder genetische Störungen.