internistische praxis

Jahr: 2017 - Band: 57 - Heft: 2 - Startseite: 361

Gesundheitsrisiken durch Aluminium

Autoren: J.G. Hengstler, C. van Thriel

Zusammenfassung

Mit knapp 8 Gewichtsprozenten ist Aluminium das dritthäufigste Element der Erdkruste. Obwohl es vergleichsweise wenig toxisch ist, kommt es unter bestimmten Bedingungen zu Vergiftungen. Beim Menschen stehen toxische Effekte auf Nervengewebe, Lungen, Knochen und Blut im Vordergrund. Gut dokumentiert ist die Enzephalopathie durch Aluminium in kontaminierten Dialyselösungen. Bei reduzierter Ausscheidung des Aluminiums aufgrund einer Einschränkung der Nierenfunktion können aluminiumhaltige Antazida zur chronischen Aluminiumvergiftung führen. Viele Vakzine enthalten Aluminiumhydroxid als Wirkverstärker. Dies kann zu allergisch bedingten Granulomen an der Injektionsstelle führen, für systemische Toxizität ist die Aluminiumdosis in Impfstoffen jedoch zu gering. Bei Aluminiumschweißern kann das Einatmen freier Partikel zu Lungen- und Neurotoxizität führen. Häufig wird diskutiert, ob für die allgemeine Bevölkerung ein relevantes Gesundheitsrisiko durch Aluminium in Nahrung und Gebrauchsgegenständen besteht. Die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) von 1 mg/kg Körpergewicht wird von einem Teil der Bevölkerung erreicht oder leicht überschritten. Dies hat noch kein erhöhtes Risiko zur Folge, es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass besondere und unnötige Expositionen vermieden werden. Hierzu gehören der Verzicht auf aluminiumhaltige Antitranspirantien und das Verpacken von säurehaltigen Lebensmitteln wie aufgeschnittenes Obst in Aluminiumfolie. Diese Arbeit gibt einen Überblick über toxische Effekte von Aluminium, Expositionsquellen, Aufnahme und Ausscheidung, Diagnose und Biomonitoring sowie Maßnahmen zum Schutz der allgemeinen Bevölkerung.