internistische praxis

Jahr: 2017 - Band: 57 - Heft: 3 - Startseite: 403

Palliativmedizin bei nicht-malignen chronischen Lungenerkrankungen am Beispiel der COPD

Autoren: B. Wagner

Zusammenfassung

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist unter den weltweit häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen die einzige mit steigender Prävalenz. COPD-Patienten verspüren ein mindestens ebenso hohes Maß an körperlichen und psychosozialen Belastungen wie Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen und haben eine dementsprechend schlechte Lebensqualität. Dennoch finden Patienten mit schwerer COPD weniger Zugang zu palliativmedizinischen Behandlungsangeboten. Eine Ursache dafür besteht in dem variablen Krankheitsverlauf mit unsicherer Prognoseeinschätzung und daraus resultierend dem fehlenden Konsens über den richtigen Zeitpunkt für die Einleitung einer palliativmedizinischen Mitbetreuung. Darüber hinaus existieren sowohl auf der Seite der behandelnden Ärzte wie auch der Patienten Kommunikationsbarrieren, v. a. was Themen angeht, die das Lebensende betreffen. Ungeachtet guter Argumente und hochrangiger Empfehlungen gibt es bisher keine etablierten Konzepte für die palliativmedizinische Mitbetreuung von COPD-Patienten. Das routinemäßige Screening prognostischer Indikatoren durch behandelnde Haus- und Fachärzte könnte ein erster Schritt zur palliativmedizinischen Bedarfsermittlung sein. Den primärversorgenden Ärzten sind die heute verfügbaren Möglichkeiten einer ambulanten palliativmedizinischen Mitbetreuung noch nicht hinreichend bekannt. Die Palliativmedizin muss sich ihrerseits mit den von onkologisch erkrankten Patienten abweichenden Krankheitsverläufen und der oft bis zum Lebensende notwendigen krankheitsspezifischen COPD-Therapie vertraut machen. Wünschenswert wäre ein integratives Modell mit enger Kooperation zwischen Hausarzt bzw. Pneumologen, die die krankheitsspezifische Therapie durchführen und einem spezialisierten Palliative Care-Team, dass sich der vielfältigen körperlichen Beschwerden und psychosozialen Belastungen von COPD-Patienten und ihren Angehörigen annehmen kann.