internistische praxis

Jahr: 2018 - Band: 59 - Heft: 3 - Startseite: 466

Peripartale psychische Störungen erkennen und behandeln

Autoren: W. Lütje

Zusammenfassung

Die Perinatalmedizin beschäftigt sich zunehmend mit biopsychosozialen Fragestellungen. Zu der, immer noch zu spät oder gar nicht erkannten, »Wochenbettdepression« gesellen sich eine Fülle weiterer peripartaler psychischer Störungen. Diese umfassen insbesondere Ambivalenzkonflikte und Störungen der Anpassung, aber auch Ängste und Traumatisierungen. Wichtigste anamnestische Belastungsfaktoren sind vorbestehende psychische Störungen. Andererseits schafft ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel mit hohen Ansprüchen, insbes. an Perfektion und Optimierung, ein Klima von Angst, Scham und Überforderung. Dies ist der Nährboden für eine mögliche Zunahme psychischer Störungen während der Elternschaft. Nach frühzeitigem Erkennen sollte schon zu Beginn der Schwangerschaft ein interdisziplinäres Betreuungskonzept entwickelt werden, in dem Gynäkologen, Hebammen, Familienhebammen, Babylotsen, Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Psychiater sowohl im ambulanten als auch stationärem Setting Hand in Hand arbeiten. Hier leisten städtische Versorgungsnetzwerke einen wichtigen Beitrag. Als wichtige Anlaufstelle, insbesondere für Betroffene,