internistische praxis

Jahr: 2019 - Band: 60 - Heft: 2 - Startseite: 273

Sexuelle Dysfunktion nach gynäkologischen Erkrankungen.

Autoren: S. Ditz

Zusammenfassung

Durch die Therapiefortschritte der letzten Jahre überleben immer mehr Patientinnen ihre Krebserkrankung (survivorship). Einschränkungen der Sexualität treten als häufige Begleit- und Folgeerscheinung gynäko-onkologischer Erkrankungen auf. Die enge Beziehung zwischen sexueller Gesundheit und Lebensqualität ist eine wichtige empirische Untermauerung für eine stärkere Gewichtung dieses Bereichs in unserem Gesundheitssystem und sollte für jeden in der Onkologie tätigen Arzt Ansporn und Motivation sein, die durch die Krebserkrankung und die Therapiemaßnahmen entstandenen Dysfunktionen aktiv mit den Patientinnen anzusprechen. Nachfragen erhöht den Anteil berichteter sexueller Funktionsstörungen.Frühzeitige Information und Beratung beugt dabei in vielen Fällen der Entstehung chronifizierter sexueller Störungen mit einer nur noch schwer zu unterbrechenden Eigendynamik (z.B. Vermeidungsverhalten) vor. Die Aufgabe der integrierten sexualmedizinischen Beratung und spezielle Fragestellungen (z. B. Patientinnen aus anderem Kulturkreis, gleichgeschlechtliche Paare etc.) stellen qualitativ höhere Anforderungen an die kommunikative und interaktive Kompetenz des Arztes. Die Teilnahme von Frauenärzten an einem sexualmedizinischen Curriculum ist sinnvoll, wird aber noch zu wenig genutzt. Darüber hinaus gilt es Interventionskonzepte zu erarbeiten, die symptomorientiert und in möglichst standardisierter Form eingesetzt werden können.